Wie finde ich wieder zu mir selbst?
Wenn du für alle da warst – und irgendwann bemerkst, dass du selbst dabei verloren gegangen bist.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl:
Eigentlich ist alles da.
Du hast einen Alltag. Aufgaben. Menschen um dich herum. Vielleicht Familie, einen Beruf oder andere Verpflichtungen.
Du funktionierst.
Und trotzdem fehlt etwas.
Manchmal lässt sich dieses Gefühl kaum beschreiben. Es ist keine konkrete Krise. Vielleicht ist äußerlich sogar alles in Ordnung.
Aber irgendwo in dir taucht eine Frage auf:
Wo bin eigentlich ich geblieben?
Wir können uns verlieren, ohne es zu bemerken
Niemand wacht morgens auf und entscheidet:
Ab heute verliere ich den Kontakt zu mir selbst.
Es geschieht langsam.
Wir übernehmen Verantwortung.
Wir möchten gute Partner, Eltern, Freunde oder Kollegen sein.
Wir erfüllen Erwartungen.
Wir passen uns an Situationen an.
Und das alles ist nicht grundsätzlich falsch.
Menschen brauchen einander.
Doch schwierig wird es, wenn wir irgendwann sehr genau wissen, was alle anderen brauchen – und kaum noch wissen, was wir selbst möchten.
Vielleicht ist deshalb die Frage „Wie finde ich wieder zu mir selbst?“ gar nicht so ungewöhnlich.
Vielleicht ist sie eine der wichtigsten Fragen, die wir uns gelegentlich stellen können.
1. Höre auf, sofort eine Antwort finden zu müssen
Wenn wir merken, dass etwas nicht stimmt, möchten wir es lösen.
Doch nicht jede innere Frage lässt sich wie ein Problem bearbeiten.
Vielleicht musst du zunächst überhaupt nichts verändern.
Vielleicht darfst du erst einmal wahrnehmen:
Wie geht es mir eigentlich?
Nicht:
Wie sollte es mir gehen?
Nicht:
Wie erwarten andere, dass es mir geht?
Sondern wirklich:
Wie geht es mir?
Manchmal beginnt die Verbindung zu uns selbst mit einer ehrlichen Antwort auf diese einfache Frage.
2. Schaffe wieder Momente ohne Ablenkung
Unser Leben ist laut geworden.
Nachrichten.
Telefon.
Internet.
Termine.
Fernsehen.
Aufgaben.
Informationen.
Wir können beinahe jeden stillen Augenblick sofort mit etwas füllen.
Doch wenn ständig etwas von außen zu uns spricht, wird es schwierig, die leisen Gedanken in uns selbst wahrzunehmen.
Du musst deshalb nicht stundenlang meditieren.
Vielleicht genügt ein Spaziergang ohne Telefon.
Zehn Minuten am Morgen.
Eine Tasse Kaffee, ohne gleichzeitig Nachrichten zu lesen.
Oder einfach ein Moment, in dem nichts passieren muss.
Stille liefert nicht immer sofort Antworten.
Aber sie schafft Raum dafür.
3. Erinnere dich daran, was dir einmal Freude gemacht hat
Was hast du früher gerne getan?
Nicht weil es sinnvoll war.
Nicht weil du damit Geld verdient hast.
Nicht weil jemand anderes es von dir erwartet hat.
Sondern einfach, weil du es mochtest.
Musik?
Malen?
Garten?
Schreiben?
Wandern?
Kochen?
Lesen?
Am Meer sitzen?
Manchmal liegen Teile von uns noch genau dort, wo wir sie irgendwann zurückgelassen haben.
Vielleicht musst du dich nicht vollständig neu entdecken.
Vielleicht darfst du etwas Altes wieder willkommen heißen.
4. Beobachte, wann du gegen dich selbst handelst
Es gibt Situationen, in denen unser Inneres längst Nein sagt, während unser Mund noch Ja sagt.
Aus Pflichtgefühl.
Aus Angst vor Ablehnung.
Aus Gewohnheit.
Oder weil wir niemanden enttäuschen möchten.
Natürlich können wir nicht immer nur tun, was uns gerade gefällt.
Aber wenn wir dauerhaft gegen unsere eigenen Grenzen leben, verlieren wir irgendwann das Gefühl dafür, wo diese Grenzen überhaupt liegen.
Vielleicht kannst du deshalb gelegentlich fragen:
Tue ich das gerade, weil ich es möchte – oder weil ich Angst davor habe, Nein zu sagen?
Allein diese Unterscheidung kann viel sichtbar machen.
5. Vergleiche deinen Weg nicht ständig mit anderen
Andere Menschen sind vielleicht weiter.
Oder zumindest sieht es so aus.
Sie haben mehr erreicht.
Mehr Geld.
Eine scheinbar glücklichere Beziehung.
Ein größeres Haus.
Mehr Erfolg.
Doch du siehst immer nur einen Ausschnitt ihres Lebens.
Dein Leben muss nicht aussehen wie das eines anderen Menschen.
Vielleicht bedeutet zu sich selbst finden auch:
den eigenen Maßstab wiederzuentdecken.
Was bedeutet für dich Erfolg?
Was bedeutet Glück?
Was bedeutet ein gutes Leben?
Diese Antworten dürfen anders sein als die der Menschen um dich herum.
6. Nimm deine eigenen Wünsche wieder ernst
Viele Wünsche werden nicht aufgegeben.
Sie werden verschoben.
Irgendwann.
Wenn mehr Zeit da ist.
Wenn genügend Geld vorhanden ist.
Wenn die Kinder groß sind.
Wenn die Arbeit weniger wird.
Wenn dieses oder jenes Problem gelöst ist.
Doch irgendwann können Jahre vergangen sein.
Vielleicht kannst du deshalb heute fragen:
Was habe ich schon viel zu lange auf später verschoben?
Du musst es nicht sofort verwirklichen.
Aber vielleicht darf der Wunsch wieder existieren.
7. Du musst dich nicht neu erfinden
Vielleicht bist du gar nicht verloren.
Vielleicht warst du nur sehr lange mit allem anderen beschäftigt.
Dann geht es nicht darum, ein neuer Mensch zu werden.
Sondern wieder wahrzunehmen, wer bereits da ist.
Mit deinen Erfahrungen.
Deinen Widersprüchen.
Deinen Wünschen.
Deinen Stärken.
Und auch deinen Unsicherheiten.
Zu sich selbst zu finden ist vielleicht kein Ziel, das wir irgendwann erreichen.
Vielleicht ist es etwas, das wir immer wieder tun.
Innehalten.
Zuhören.
Nachjustieren.
Und dann unseren Weg weitergehen.
Vergiss nicht zu leben.
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